Buch im Shop kaufen
Bei Amazon anzeigen

Office Escort: (K)ein Anwalt zum Küssen

Lilly An Parker, Jennifer Schreiner, Katinka Uhlenbrock



ISBN: 978-3-960000105
Es ist ein Spiel um Dominanz, Lust und Leidenschaft für diejenigen, die ansonsten alles haben oder haben können: unmoralisch, sexy, der ultimative Kick. Aber wie lange will man widerstehen?

Wider besseren Wissens lässt sich Tom, der erfolgreichste Anwalt New Yorks, auf einer Feier auf die Escort-Dame Elle und ein erotisches Spiel mit ihr ein. Nur um im Anschluss kopflos die Flucht zu ergreifen, weil er sich nicht schon wieder hoffnungslos in eine bezahlte Begleiterin verlieben will. Doch schon am nächsten Montag wird er erneut mit Elle konfrontiert, die sich „im wahren Leben“ als seine neue Sekretärin entpuppt. Verwirrt, aber trotz der Vorgeschichte nicht gewillt, sie gehen zu lassen, bietet er ihr einen Deal an: Sie darf ihren Job behalten, aber er wird nie wieder mit ihr spielen und sie wird nie versuchen, ihn zu verführen. Elle willigt ein, versteht aber die Welt nicht mehr. Sollte ihr Ex-Mann Recht haben und mit ihr etwas nicht stimmen? Immer ist ihr ihre Schönheit zum Verhängnis geworden und auch jetzt befindet sie sich auf der Flucht – vor ihrem Ex. Oder kann Tom ihr helfen? Und wenn ja, zu welchem Preis?

2 – Verlockungen

Das was Violet aus dem Restaurant gemacht hatte, grenzte an ein Wunder: Alles sah nach einem Filmset aus, dabei stolzierten die Mädels als Live-Stars umher, auf verschiedenen Leinwänden und TV-Geräten liefen Filme mit den entsprechenden echten Stars und sogar an einen Catwalk und eine Modenshow hatte mein Lieblings-Escort gedacht.

Und auch mein Kunde schwebte auf Wolke 7, weil der Office-Escort auch über die Verschwiegenheit und die Exklusivität des Events wachte. Dabei war auch für jeden Geschmack gesorgt worden, wie Violet nicht müde wurde, aufzuklären. Denn manche der anwesenden Escort-Damen waren devot, andere dominant.

Am liebsten hätte ich sie nach »Elle« gefragt, hielt mich aber zurück, da ich schon einmal den Fehler gemacht hatte, mich in eine der Escorts zu verlieben. Ich war dann ihr bester Freund und ihr Trauzeuge geworden – lieben tat ich sie immer noch, wenn auch auf einer anderen Ebene.

Einen weiteren Moment bewunderte ich den großen Saal, der in der Mitte einen echten Laufsteg aufwies, eine Bühne und der so geschickt aufgeteilt war, dass einer der kleinen Säle als Umkleide für die Damen fungierte.

»Das hast du toll gemacht!«, lobte ich Violet, als ich mich zu ihr auf die große Terrasse gesellte, um den Blick auf meine Lieblingsstadt zu genießen. Der Autolärm war hier oben kaum zu hören, was aber auch an der Musik liegen konnte.

»Was hast du gesagt?« Violet hielt sich das andere Ohr zu, während sie das, was mir näher war, mehr in meine Richtung schob, indem sie ihren Kopf drehte.

»Die Musik ist zu laut«, meinte ich ein wenig deutlicher. Außerdem ging mir das rhythmische »Utz-utz« auf die Nerven, auch wenn alle anderen damit anscheinend kein Problem hatten und sogar zu dem infernalischen Lärm tanzten.

»Ich kann dich nicht hören, die Musik ist so laut«, brüllte Violet zurück und strahlte über beide Wangen. Trotzdem brauchte ich einen Augenblick um festzustellen, dass sie mich aufzog.

»Du. Bist. Doof«, betonte ich.

»Und du bist trotzdem darauf hereingefallen!«, konterte sie ungerührt grinsend.

»Wo sind eigentlich die ganzen Escorts?«, lenkte ich vom Thema ab und drehte mich einmal um meine eigene Achse, konnte aber keine der bezahlten Damen entdecken.

»Machen sich für die erste Show fertig.« Violet zuckte nonchalant mit den Schultern. Nur ihr Grinsen wuchs ein wenig in die Breite, als ahnte sie den eigentlichen Grund für meine Frage. »Ich habe uns einen Platz in der ersten Reihe reserviert«, verkündete sie verschwörerisch und zwinkerte mir zu.

»Gut, aber vorher brauche ich einen Moment Ruhe.« Ich schüttelte den Kopf und bedachte die Tanzenden mit einem nachdenklichen Blick. Drinnen war mir deutlich lieber, auch wenn man kleine Abstriche bei der Luft machen musste.

»Du wirst alt, Senior«, neckte mich Violet, ließ mich aber ziehen, um sich zu einer kleinen Gruppe zu gesellen, die allesamt der erlesenen Oberschicht des Landes entstammten und an einem Tag mehr Geld verdienten, als ich in einem Jahr. Zum Glück, denn mein Geschäftspartner und bester Freund unterhielt die Gruppe bereits und würde im Laufe des Abends sicherlich neue Klienten anwerben. Darin war Jan unschlagbar – zumindest solange keine seiner weiblichen Bekanntschaften anwesend war. Apropos weibliche Bekanntschaften … Wieder sah ich mich wider besseren Wissens um.

***

Ich fuhr mir mit den Fingern durch meine langen Haare und zerwuschelte sie noch ein wenig mehr, um den »frisch aus dem Bett-Look« noch zu unterstützen, atmete tief durch und genoss die Ruhe oder zumindest das, was die New Yorker darunter verstanden. Hier oben war vom Lärm der Straße nicht mehr viel zu hören und das Geräusch der Autos wurde zu einem Hintergrundsummen, das beinahe in den Rhythmus der Musik passte. Beides war unaufdringlich, aber eben nonstop vorhanden, so dass ich langsam begriff, wie Sinatras Song zustande gekommen war. Zumindest der Teil mit der niemals schlafenden Stadt. Aber im Gegensatz zu dem Sänger gefiel mir Big Apple nicht sonderlich – selbst wenn es sich auf der kleinen, heute ungenutzten Terrasse wirklich aushalten ließ.

Als ich eine Bewegung aus dem Augenwinkel bemerkte, zuckte ich erschrocken zusammen. Da der Eingang zur Terrasse von der Umkleide ausging, war ich davon ausgegangen, einige Minuten allein zu haben. Schließlich waren die anderen Escort-Damen damit beschäftigt, sich für ihren Auftritt vorzubereiten.

Ich räusperte mich, um den Neuankömmling nicht zu erschrecken, bevor ich dem Auftraggeber der Feier einen »Guten Abend« wünschte.

Einige Sekunden lang sah er mich so irritiert an, als habe er ebenfalls nicht mit jemandem auf dieser Terrasse gerechnet. Dann ließ er sich zu einem emotionslosen »Guten Abend« herab, musterte mich aber, als sei er nur aus reiner Höflichkeit nett zu mir.

»Müssen Sie sich nicht umziehen oder so …« Er sah unsicher auf seine Hände, als ringe er um weitere Worte.

Ich schüttelte den Kopf. »Nein, meine ersten Auftritte sind als Badenixe und Unterwäschemodel, so dass ich schon fertig bin.«

Ich deutete auf mich und schob den Pareo, den ich kunstvoll um mich geschlungen hatte, zur Seite. Ein passender Bikini blitzte kurz hervor, bevor ich mich wieder in das Tuch hüllte.

Mein Gegenüber pfiff leise und der Ton rieselte durch meinen Körper wie ein Kompliment. Dabei hinterließ er eine Gänsehaut, die von meinen Ohren bis zu den Zehenspitzen reichte. Es war albern, aber die meisten Männer zeigten mir nicht, dass ich ihnen gefiel. Wahrscheinlich hatten sie Angst vor meiner Reaktion.

Erst dann begriff ich, dass seine Frage auch anders gemeint gewesen sein konnte. Was auch besser zu seiner Unsicherheit passte. Ich stand auf. »Wenn ich störe, kann ich auch reingehen.«

»Nein, schon in Ordnung, ich habe nur ein wenig Ruhe gebraucht.« Er trat näher zu mir, oder besser gesagt zu der Holzbank, die unter dem Holunderbusch stand und auf der ich gesessen hatte.

»Sie stören nicht«, behauptete mein Chef, obwohl sein Blick genau das Gegenteil sagte, als er sich auf die Bank gleiten ließ. Sekundenlang verharrte ich unschlüssig, bis er ungeduldig neben sich auf das Holz klopfte.

»Ruhe findet man hier wohl eher nicht«, meinte ich und nickte in Richtung der großen Terrasse und der schrecklich lauten Musik. Wie hielten das bloß die anderen Mieter aus?

»Das ist eben New York«, belehrte mich mein Gegenüber, verdrehte aber die Augen. Offensichtlich hatte ich einen Nerv getroffen.

»Und für ein schalldichtes Apartment zahlt man sicher Unsummen – falls es so etwas hier überhaupt gibt«, seufzte ich, sah aber nach vorne auf die unzähligen Lichter. Ohne den ganzen, kontinuierlichen Lärm wäre der Anblick sogar sehr schön.

Der Mann neben mir lachte. Ein sehr schönes Geräusch, das nicht zu seiner angespannten Miene passte. Aber es reichte, um mich neugierig zu machen. Sein Verhalten empfand ich nicht nur als widersprüchlich, es war enigmatisch und ich hatte schlichtweg keine Ahnung, woran ich bei ihm war – dabei waren Menschen normalerweise extrem einfach gestrickt.

»Das wäre sicher eine Marktlücke«, gab er zu und schenkte mir ein echtes Lächeln. Eines, das dafür sorgte, dass ich nur noch eines wollte: weglaufen.

Warum zum Henker war mir vorher nicht aufgefallen, dass er attraktiv war? Unglaublich attraktiv? Und vor attraktiven Männern sollte man sich immer in Acht nehmen!

Ich erwischte mich dabei, wie ich an meinem Fingernagel kaute und ließ meine Hand sinken.

***

Ich konnte spüren, wie sich mein Gegenüber verschloss und ihre gute Laune schlagartig verschwand. So als habe ich etwas himmelschreiend Schlimmes getan und nicht nur ein wenig mit ihr geflirtet. Kurz ging ich in Gedanken meine letzten Worte und Taten durch, konnte aber nicht feststellen, was ich falsch gemacht hatte.

»Okay, einmal angenommen, ich hätte mit einer attraktiven jungen Frau ein Gespräch geführt und plötzlich würde sie mich ansehen, als hätte ich mich in den Teufel verwandelt …« Ich wartete einen Augenblick und gab ihrer Fantasie die Chance, den Satz zu vervollständigen, bevor ich es tat: »… was könnte ich Schreckliches gemacht haben?«

Um zu verdeutlichen, dass ich tatsächlich diese Situation hier meinte, deutete ich auf ihre Fingernägel.

»Sorry, ich bin sehr nervös!«, gab »Elle« zu und wirkte so schuldbewusst, als hätte ich sie bei etwas Fatalem erwischt, nicht nur beim Kauen am Fingernagel. »Ich weiß nicht einmal, ob ich überhaupt hier draußen sitzen darf – geschweige denn mit Ihnen reden.«

Sie warf mir einen entschuldigenden Blick zu, bevor ihr Gesichtsausdruck sehnsüchtiger wurde und sie ins Innere blickte, als würde sie am liebsten vor mir fliehen.

»Ihr erster Job für den Office-Escort?«, riet ich, obwohl ich instinktiv zum vertrauten »du« übergehen wollte, um schon einmal diesen Abstand zwischen uns zu überbrücken und sie unter allen Umständen am Verschwinden hindern.

»Ja und vermutlich auch der letzte«, erklärte sie mit einem lässigen Schulterzucken. »Eigentlich hat Joanna mich nur gefragt, weil es hieß, Sie würden Models suchen.«

»Sie sind also Model?« Ich beäugte die schöne Doppelgängerin von »The Body« neugierig und fragte mich unwillkürlich, wie meine Chancen standen, sie ins Bett zu bekommen. Vermutlich deutlich besser als die Wahrscheinlichkeit, sie in meinem Leben zu halten.

»Nein. Ich habe einen ganz normalen, fast schon langweiligen Beruf.« Sie lachte leise, als sei die Vorstellung, sie sei irgendetwas Außergewöhnliches, lustig.

»Und einen Freund?«, erkundigte ich mich, verfluchte mich aber gleichzeitig innerlich, weil ich so direkt nachfragte. War ich normalerweise nicht geschickter und charmanter?

»Nein.« Wieder lachte Elle. »Welcher normale Freund würde seine Freundin bei so etwas mitmachen lassen?« Sie deutete in Richtung der Veranstaltung.

»Naja, ein unglaublich toleranter, selbstsicherer Freund vielleicht.« Ich zuckte mit den Schultern. »Zugegebenermaßen habe ich nie darüber nachgedacht.« Etwas, was ich postwendend nachholte. Hätte es mich gestört, wenn ich mit Violet zusammengekommen wäre? Nein, definitiv nicht! Ich hätte es sexy gefunden. Hätte es mich aufgrund meines Berufs gestört? Ich nickte. Es wäre zu gefährlich gewesen, zu kompromittierend. Vielleicht nicht in Europa, aber in NY auf jeden Fall.

»Also sind Sie auch nicht tolerant und selbstsicher genug?«, neckte mich Elle. Beinahe, als suche sie nach einem Makel.

»Ich fände es sexy«, gestand ich. »Aber es wäre beruflich zu gefährlich.«

Mein Gegenüber kniff die Augen zusammen und musterte mich prüfend. »Und trotzdem organisieren Sie solche Veranstaltungen?«

»Genaugenommen habe ich nur einen Teilaspekt organisiert – für einen Klienten.«

»Haarspalterei«, lachte Elle. »Niemand mag Klugscheißer.«

Ich konnte spüren, wie ein Lächeln über mein Gesicht huschte und es blieb mir nur zu hoffen, dass es nicht allzu bitter wirkte. So deutlich hatte mir noch niemand zu verstehen gegeben, dass mein Beruf zu meinem Charakter passte und beides nicht gefallen würde – aber normalerweise wussten die Leute ja auch wer ich war und was ich tat, so dass sie auf der Hut vor mir waren.

Umso mehr ärgerte es mich, dass Elle mich schon, ohne es zu wissen, bewertet hatte.

***

»Aber manche Leute verdienen ihr Geld mit Klugscheißerei«, gab mein Gegenüber zu bedenken. Wieder musste ich lachen. Hauptsächlich, weil er ein wenig angefressen wirkte, was ihn beinahe grummelig wirken ließ – und fast unwiderstehlich. Wie ein großer, unschuldiger Junge, der mit der Hand in der Keksdose erwischt worden war.

»Und manche damit, dass sie zufällig gut aussehen und bereit sind, sich halbwegs nackig zu machen«, gab ich weiter zu bedenken, um ihn zu ärgern. »Muss man auch nicht mögen.«

»Sie sind keine Amerikanerin, oder?« Der Blick meines Gesprächspartners wurde misstrauisch und ich schüttelte den Kopf. »Nein, deswegen finde ich ja auch die Doppelmoral so herrlich.«

»Kanadierin?«, riet er und war so aufmerksam, mir Sekt nachzuschenken. Bislang hatte ich weder bemerkt, dass ich nebenbei mein Glas geleert hatte, noch dass er eine ganze Flasche bei sich trug.

»Sie haben eine Flasche gemopst?«

»Nein, geliehen. Die Flasche bringe ich zurück«, erklärte er ganz ernst und mit einem Ausdruck, der genau zu dem belehrenden Tonfall passte. Ich prustete los und nach Sekunden stimmte er in das Lachen ein.

»Ich bin Tom«, stellte er sich schließlich vor und reichte mir die Hand.

»Elle.« Obwohl ich wusste, dass es besser wäre aufzustehen und unauffällig zu fliehen, konnte ich nicht widerstehen. Es war lange her, seitdem ich wirklich Spaß gehabt hatte. Und dann auch noch mit einem attraktiven Mann.

»Ist klar!«, schoss Tom tadelnd zurück.

»Ehrlich«, meinte ich kichernd. »Aber bislang hat auch noch keiner bemerkt, dass ich so aussehe wie ein Top Model.«

Wieder sah mich Tom tadelnd an. Ein wenig so, als hätte ich eine Schraube locker.

»Immerhin bist du jetzt nicht mehr nervös!«, behauptete er und schenkte mir eines seiner unglaublich strahlenden Lächeln.

»Stimmt!«, gestand ich. »Kommt aber bestimmt gleich wieder.«

»Konzentriere dich einfach auf mich, wenn es losgeht«, schlug Tom vor.

»Na, ob das hilft?« Ich zwinkerte ihm zu und genoss das warme Gefühl in meinem Bauch, als mir aufging, dass ich mit ihm flirtete. Dabei flirtete ich nie und hatte keine Ahnung, welcher Teufel mich gerade ritt. Wahrscheinlich der »Scheiß was drauf, ich werde ihn eh nie wieder sehen«-Satan. Außerdem gefiel mir, wie mein Gesprächspartner auf mich reagierte. Denn trotz seiner Attraktivität schien er nichts von seiner Wirkung auf Frauen zu wissen und war anscheinend auch völlig überrascht über den Flirt. Trotz der Dunkelheit konnte ich sehen, dass sich seine Wangen röteten.

***

Ich konnte spüren, wie sich die Hitze auf meinen Wangen sammelte und sich langsam ausbreitete, bis sie durch meine Adern klopfte. Flirtete Elle mit mir, oder war das reines Wunschdenken von mir?

Und selbst wenn … Ich schüttelte innerlich den Kopf. Es war nur ein Flirt, kein Eheversprechen und auch nichts Ernstes. Würde es wahrscheinlich auch nie werden. Dafür war sie viel zu schön. Und etwas im Kopf schien sie auch noch zu haben!

Ich warf einen unauffälligen Blick in ihre Richtung.

»Aber … du bist … devot?«, riet ich und legte all meine Hoffnung in die Frage.

Jetzt war es an Elle, rot zu werden. Süß!

»Sehr?«, erkundigte ich mich, obwohl sie noch gar nicht geantwortet hatte.

»Sehr!«, gab sie leise zu.

»Dann stell dir vor, du wüsstest, dass ich davon weiß und bereit bin, es schamlos auszunutzen, sollte ich irgendeine Form von Unsicherheit bei deinem Auftritt bemerken.«

Elle nickte, sah aber auf ihre Füße, als sei ihre Neigung etwas, wofür sie sich schämen musste.