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Office Escort: (K)ein Drummer zum Küssen

Lilly An Parker, Jennifer Schreiner



ISBN: 978-3-945163702
Es ist ein Spiel um Dominanz, Lust und Leidenschaft für diejenigen, die ansonsten alles haben oder haben können: unmoralisch, sexy, der ultimative Kick. Aber wie lange will Mann widerstehen?

Jacob, Drummer der Band „Bad, Bed, Music“ hat die Nase voll von semi-guten Escorts, SM-Groupies und überhaupt von halb-dominanten Frauen. Als ihm sein bester Freund und Bandleader Alex ausgerechnet eine unbedarfte „Barbie“ vor die Nase setzt, ist Jacob nicht gewillt, länger mitzuspielen. Ganz seinem Spitznamen entsprechend, entführt „das Tier“ Escort-Neuling Ava in die Einsamkeit Kanadas. Erst dort begreift er, wer Ava wirklich ist – zu spät: Längst ist die grazile BDSM-Künstlerin, die unter dem schillernden Namen „Rainbow“ auftritt, zu wütend, um für oder mit ihm zu arbeiten. Doch Jacob wäre nicht „das Tier“, wenn er schnell aufgeben würde – außerdem hat er noch etwas anderes erkannt: Ava braucht ihn und seinen Sinn für ästhetische Spiele mindestens genauso sehr, wie er jemanden, der ihn bedingungslos liebt. Aber kann er Ava davon überzeugen, dass er der Mann ihres Lebens ist und notfalls auch am Ende des Regenbogens auf sie wartet?

4 – Der Deal

Ich fühlte mich innerlich wie gelähmt. Keine Ahnung, wie lange ich Rainbow schon hatte kennenlernen wollen, aber es musste irgendwann zwischen den ersten Bildern, die ich von ihr gesehen hatte und ihrer ersten Live-Show gewesen sein. Damals war ich jung gewesen, kaum mehr als ein blutiger SM-Anfänger, der bewundernd zu jemandem aufgeblickt hatte, der die Verkörperung all seiner Wünsche war.

Und jetzt hatte ich es versaut. Einfach so, weil ich den unnahbaren, großkotzigen Rockstar gemimt und auf meinen eigenen Regeln bestanden hatte. Ich warf Ava einen Seitenblick zu. Sie entsprach zwar meinem optischen Bild von einer idealen Frau, aber niemals hätte ich sie mit einer SM-Künstlerin in Verbindung gebracht, deren Werk mich schon früh umgehauen und geprägt hatte.

Unwillkürlich dachte ich an den kleinen Clip, den ich mir eben hatte ansehen dürfen. Er war näher und persönlicher als die Hochglanzclips, die es im Internet gab und endlich hatte ich auch begriffen, was mich seit einiger Zeit an Rainbows-Performance irritiert hatte: Es war nur eine Performance.

Die wunderschöne Künstlerin mit ihren wundervollen Auftritten, den erlesenen Werken und ihren ungewöhnlichen Ideen war unnahbar und nahezu unbeteiligt an ihrer eigenen Kunst. Als wären es zwei geteilte Wesen oder Lebensweisen. Etwas, was mir auch jetzt wieder aufgefallen war und mich auf eine sehr männliche und ungewohnt dominante Weise störte.

Wieder warf ich Ava einen Blick zu. Ob sie wusste, wie unschuldig sie wirkte? Selbst auf den Bildern als verschnürter und gefallener Engel. Sicher, sie weckte Begehrlichkeiten und nur zu gerne wäre ich der Mann gewesen, der sie so kunstvoll gebunden hätte. Aber trotzdem wirkte sie so … als ziehe sie keine Lust aus der Sache an sich, sondern nur daraus, wie die Show wirkte oder aus der Schönheit der Darstellung. Aber konnte das alles sein?

Ich kämpfte mit mir selbst, entschied mich dann aber dafür, einfach nur mein gegebenes Wort zu halten. Ich hatte schon zu viel versaut, als dass ich mir herausnehmen durfte, ein Urteil über sie zu fällen.

»Tut mir leid, dass ich so misstrauisch bin.« Ich reichte ihr das Handy zurück und stand auf. »Man begegnet einem Haufen schräger Leute, wenn man im Rampenlicht steht.« Ich reichte ihr die Hand und zog sie auf die Füße. »Komm, ich flieg dich zurück.«

Ava räusperte sich und ließ meine Hand los. Zu meiner Überraschung bewegte sie sich nicht von der Stelle. »Ich hab noch drei Fragen gut und ich möchte, dass du dir die Antworten gut überlegst.«

Ihr Blick war so offen und ernst, dass ich nickte, noch bevor mir klar wurde, dass sie mir eine Chance gab. Meine Antworten würden entscheiden, ob ich mit ihr arbeiten durfte. Nervös schluckte ich.

»Was erwartest du von einem Spiel?«, erkundigte sie sich.

Erleichtert atmete ich ein. Das war einfach: »Dass mich die Frau dazu bringt, mich fallen zu lassen, eins zu werden mit meinen Bedürfnissen ohne mich für sie zu schämen. Ich möchte mich hinterher an die Frau und die Spiele mit ihr erinnern können und mich darüber freuen, dass ich es gemacht habe. Es soll schön sein, schön zu erleben und schön anzusehen, von jedem Standpunkt aus. Ihrem, meinem und dem potentieller Zuschauer oder späterer Betrachter.«

Ich flehte stumm, dass ich mich klar genug ausgedrückt hatte und sie verstand, was ich meinte. Tat sie anscheinend, denn sie lobte: »Sehr poetisch!«

Offenbar hatte ich den ersten Teil des Testes bestanden, denn Ava setzte sich wieder und klopfte neben sich. Sie wartete sogar mit der nächsten Frage, bis ich neben ihr saß. »Glaubst du, ich kann deine Wünsche erfüllen und die Untiefen deiner Fantasien ausloten?«

Ich dachte daran, was ich eben noch über Rainbow gedacht hatte und überlegte, ob ich ihr die Wahrheit sagen sollte, bevor ich eine Entscheidung traf: Die erste Hälfte ja, die zweite nein.«

Ava sah mich verwirrt an, fasste sich dann aber. »Ich bin überrascht von dieser Antwort.«

»Ich habe dir gesagt, ich spiele ehrlich und erwarte Ehrlichkeit.« Es gelang mir ihrem Blick standzuhalten, bis sie zuerst fort sah und stumm nickte. So, als habe ich einen zweiten Test bestanden.

»Wieso nicht?«, erkundigte sie sich, immer noch, ohne mich anzusehen. Und auch ich sah fort, ließ meinen Blick zum Wasserfall schweifen und überlegte, ob ich lügen sollte. Die Wahrheit würde jede Chance auf ein Spiel kaputtmachen. Und ich wollte dieses Spiel mit ihr. Wollte es so sehr, dass es beinahe körperlich schmerzte. Aber ich spielte immer ehrlich. Da würde ich für sie keine Ausnahme machen – gerade nicht für sie!

***

Ich starrte zu Boden und wünschte mich irgendwo anders hin, Hauptsache weit weg von Jacob. Wieso musste ausgerechnet er derjenige sein, dem auffiel, was andere Menschen nicht wahrnahmen? Denn dass ihm etwas an mir oder meiner Kunst aufgefallen war, hatte ich schon in seinen ausdrucksstarken Augen lesen können. Und dass mir vermutlich sein Urteil nicht gefallen würde ebenfalls. Stumm betete ich darum, dass er schwindeln würde und hielt doch innerlich gleichzeitig den Atem an, dass er es nicht tat. Ein seltsamer Zustand, denn ich fühlte mich schlagartig so verletzlich, wie schon seit Jahren nicht mehr – und unglaublich angespannt. Deswegen war ich fast erleichtert, als der Rockstar zu reden begann.

»Ich glaube, dass du meine Wünsche erfüllen kannst, aber ich glaube nicht, dass du die Richtige bist, um die Untiefen meiner Fantasie auszuloten.« Er schwieg einen Augenblick und ich nutzte die Chance, seine Worte sacken zu lassen, ohne sofort aufzubegehren.

»Ich glaube, dass du die Kunst und auch deine Performance-Künste als Schutzschild missbrauchst und emotional nicht involviert bist oder sein willst.«

Ich starrte den Drummer an und konnte spüren, wie sich mein Mund öffnete, um zu widersprechen. Doch Jacob war schneller, so als fürchtete er, dass ich mir seine Erklärung nicht anhören wollte.

»Du sagst selbst, du arbeitest immer zu zweit. Warum? Weil du Angst hast oder weil du Schutz brauchst?«, riet er unbarmherzig und ohne meine Antwort abzuwarten, fragte er: »Wieso arbeitest du beim Office-Escort?«

Ich schluckte und versuchte mich auf die letzte Frage zu konzentrieren. Trotzdem fiel meine Gegenfrage ein wenig pampig aus. »Wieso spielt das eine Rolle

Wenn es keine spielt, warum antwortest du dann nicht einfach?«, hakt er sanft nach und auch in seinen Augen stand etwas, was ich nur schwer einschätzen konnte. Wieder sah ich zu Boden und versuchte auszuloten, was er wusste, was er erriet und seit wann zum Teufel ich so leicht zu durchschauen war.

Leider ließ Jacob nicht locker, sondern fabulierte weiter: »Weil es dich nicht mehr befriedigt hat. Nicht wegen des Geldes für deine Mutter. Hagen Taylor hätte dir so gut wie alles für eine Show mit ihm geboten, so wie die meisten anderen aus der Szene. Aber Hagen ist berühmt und die meisten, die dich und deine Preise kennen ebenfalls. Beim Office-Escort hast du andere Kunden. Kunden, die nicht in Öffentlichkeit stehen oder in der Presse. Du wolltest wieder anfangen dich emotional einzubringen und dich an die Grenze heranwagen – die der anderen und an deine eigene – aber du hast dich nicht an den letzten Schritt getraut, deswegen ist auch Niobe dabei.«

***

Ich sah sie aufmerksam an, doch Ava weigerte sich, zu mir zu blicken. Stattdessen widersprach sie tonlos: »Niobe ist da, weil ich nicht dominant genug bin.«

»Bullshit!«, meinte ich und endlich sah sie auf. »Zurzeit stehst du auf Kunst, nicht auf Dominanz, Fallenlassen oder Kontrolle abgeben. Du stehst nicht einmal auf Hingabe. Weil dich etwas zurückhält. Ich weiß nicht, was es ist, aber wenn ich mir deine ersten Werke ansehe und dann die anderen betrachte, kann ich es sehen. Etwas ist geschehen und du hast dich zurückgezogen. Du spielst … du spielst die Starke, die Unnahbare, die Künstlerin, die Hingebungsvolle, den gefallenen Engel – aber du bist nicht mit dem Herzen bei der Sache.«

Ava blinzelte und ich begriff, dass ich Recht hatte. Mein Schuss ins Blaue war ein Volltreffer gewesen: Sie war mit dem Herzen nicht bei der Sache!

Fast hätte ich frohlockt. Denn das bedeutete auch zwei einfache Dinge: Sie konnte noch grandioser werden und viel wichtiger, ihr Herz war noch frei und bereit zu lernen.

»Du bist älter geworden, erfahrener und du kennst deine Grenzen gar nicht mehr. Weder die als Domina, noch die als hingebungsvolle Geliebte. Du weißt nicht, welche Farben es noch im Regenbogen gibt und du benutzt Niobe und deine Kunst dazu, Menschen auf Abstand zu halten.« Ich schenkte ihr ein aufmunterndes Lächeln. »Du sagst, Niobe ist da, weil sie dominant ist und sie mich dominieren soll. Aber in Wirklichkeit soll sie mich unter Kontrolle und dich davon abhalten, die Untiefen deiner eigenen Seele zu erforschen, die Sehnsüchte.«

Avas Atem ging hektischer und ihre Augen glänzten. Nicht vor ungeweinter Tränen, sondern vor Faszination und auch auf ihren Wangen spiegelte sich die Hitze wieder, die meine Worte dorthin projiziert hatten. Andächtig hob ich die Hand und berührte das Rot. »Du hast Angst, ich könnte es bemerken und dich in etwas Unbekanntes verwickeln, dir die Kontrolle nehmen – oder sie dir geben und dich damit anstellen lassen, was du willst. Du fürchtest dich vor beidem.« Ich ließ meine Hand weiterwandern und vergrub meine Finger in Avas blonden Haaren. Vorsichtig, aber unsanft zog ich ihren Kopf an ihrer seidigen Mähne nach hinten und genoss den verwirrten Ausdruck auf ihrem Gesicht, mit dem sie den Schmerz quittierte. Sie schien nicht zu wissen, ob sie ihn willkommen heißen, oder mich zum Teufel jagen sollte. Das war doch einmal ein Anfang!

***

Jacob überrumpelte mich mit seinem nächsten Zug und seine Hand vergrub sich fast schmerzhaft in meinen Haaren, um langsam den Zug zu erhöhen. Etwas, was zu meinen Lieblingsszenarien gehörte und mich fast gegen meinen Willen vor Lust schwach machte. Etwas, was er noch anheizte, indem er fast an meinem Mund flüsterte: »Ich möchte dir Fantasien erfüllen, Fantasien von denen du noch gar nicht weißt, dass du sie hast oder haben könntest.«

Beinahe hätte ich den Abstand zwischen unseren Lippen überbrückt. Die Versuchung war da. Plötzlich und ohne jede Vorwarnung. Unwillkommen. Ungewollt. Und sie war es auch, die mich aus Jacobs Bann katapultierte. Trotzdem gelang es mir nur, mich zusammenzureißen, indem ich spöttisch meinte: »Sehr romantisch. Was kommt als nächstes, der Heiratsantrag?«

»Ich hätte dich für erwachsener gehalten!«, maßregelte mich der Drummer, aber in seinen braunen Augen blitzte es nicht nur verärgert, sondern auch amüsiert. Etwas, was wiederum mich ärgerte. »Ich bin nicht diejenige, die sich fallen lassen soll.«

»Sich fallen lassen beruht auf Gegenseitigkeit, auf Vertrauen«, erklärte Jacob ruhig und selbstsicher. Es klang ein wenig, als erklärte er einem Anfänger das 1×1 des SM. Aber ich glaubte noch etwas anderes herauszuhören und fasste es sofort in eine Frage: »Du bist Switcher?«

Das hatte nicht mit einer Andeutung in seiner Akte gestanden! Und auch jetzt antwortete Jacob nicht, sondern meinte: »Ich möchte dich an deine Grenzen führen, sie erforschen, ihre Höhen, ihre Tiefen, ihre Flexibilität und dich zu meinen bringen …«

»Du stehst auf poetische Halbantworten, mh?«, unterbrach ich ihn, bevor er mehr ausführen konnte, denn Fakt war: Er war verdammt gut mit Worten und seine Beschreibungen machten mich mehr an, als gut für mich war.

Sekunden später lag ich rücklings auf dem Boden. Mir blieb gerade noch Zeit für einen erschrockenen Aufschrei, bevor er meine Hände über meinem Kopf festhielt. Wer auch immer diese Position als sexy beschrieb, sie war es nicht. Sie war entwürdigend. Vor allem, wenn man keine Chance gegen ihn hatte, weil er größer und stärker war, schwerer und schier übermächtig. Zum Glück ruhte ein Großteil seines Gewichtes auf seinem Bein, das er angewinkelt zwischen meinen platziert hatte; sein Körper schwebte nur drohend über meinem. Dafür gruben sich seine Fingernägel schmerzhaft in meine Handflächen. Absichtlich. Sein Blick fing meinen und ich atmete erschrocken ein. Hinter seinen dunklen Iriden brannte ein noch dunkleres Feuer. Dem gleich, was ich empfand, wenn ich performte und doch ganz anders. Es zog mich in den Bann.

***

Ich sah die plötzliche Angst in Avas Augen. Nein, mehr. Ihre Panik. So als fürchtete sie, ich könnte sie gegen ihren Willen unterwerfen, sie verletzen. War das meinem kleinen Regenbogen geschehen? Hatte jemand ihr Vertrauen missbraucht?

Hass stieg in mir auf. So stark und rein, dass es selbst mich überraschte. Normalerweise waren meine Emotionen nicht so stark – und nie so, dass sie mich selbst überrumpelten. Aber diesen Mann wollte ich vernichten!

Er hatte Ava etwas Wichtiges genommen, sie fast zerstört. Ihre Lust am Spiel. Wusste sie es? Wusste sie, wie stark dieser Typ sie beschädigt hatte? Nur zu gerne hätte ich gewusst, was er ihr angetan hatte – und sie eindrucksvoll gerächt.

Aber damit war ihr nicht geholfen und ich hatte schlichtweg kein Recht dazu – noch nicht.

Sanft strich ich mit den Fingern über ihre Hände, ihre Arme und hoffte, dass sie anhand meiner Gesten merken würde, was ich trotzdem noch in Worte fasste: »Ich würde dir nie schaden und dich nie verletzen, Ava.«

Ich benutzte absichtlich ihren echten Namen und war erleichtert, da es offensichtlich das Richtige war. Zumindest flackerte ihr Blick wieder zurück ins Hier und Jetzt und zu mir. Die Angst verschwand und nur noch ein winziger Teil von ihr blieb in ihren großen, blauen Augen zurück, wie ein lauernder Schatten.

»Eine perfekte Barbie muss auch perfekt behandelt werden«, neckte ich sie mit einem frechen Grinsen und konnte förmlich sehen, wie auch die restliche Angst verschwand, als Ava auf die spielerisch verpackte Herausforderung einging.

»Idiot«, meinte sie, lachte aber leise.

***

Jacob hatte meine Hände losgelassen und nutzte seine Fingernägel, um langsam an meinen Armen nach unten zu kratzen. Fest genug, um eine rote Spur zu hinterlassen, aber sanft genug, um nicht wirklich wehzutun. Eine Berührung, die sehr schnell sehr schmerzhaft werden konnte – oder unvorstellbar schön. Das Versprechen auf beides, auf Schmerz und Verführung, lag darin und machte mich unvorstellbar sensibel. Schon konnte ich die dunklen Schmetterlinge in meinem Unterleib fühlen, die Versuchung, ihn einfach weitermachen zu lassen, selbst ohne Sicherheitsnetz.

Jacob stoppte mit seinen Lippen an meinem Ohr und trotzdem musste ich mich anstrengen, sein Flüstern zu verstehen. »Ich wollte schon immer wissen, was am Ende des Regenbogens ist.«

»Ein Topf mit Gold?« schlug ich vor, ein wenig abgelenkt, weil er sanft in mein Ohrläppchen biss, bevor er sich in Richtung meines Gesichts weiterknusperte.

»Ich glaube nicht«, wisperte er schließlich an meinem Mundwinkel. Und sekundenlang wollte ich mehr, wollte, dass er die wenigen Zentimeter überbrückte. Aber es widersprach jedem meiner Prinzipien. Angefangen von: Rockstars küsst man nicht.

»Nicht küssen!«, murmelte ich und hoffte, nicht zu zurückweisend zu klingen. Tatsächlich leistete Jacob meinem Befehl Folge, ohne ihn in Frage zu stellen – und widersinnigerweise war ich ein wenig enttäuscht.

Trotzdem erklärte ich: »Ich küsse niemanden, es sei denn, ich meine es ernst mit ihm.«

»Willst du es probieren?«, erkundigte sich Jacob, sein hungriger Blick fixierte immer noch fest meine Lippen.

»Dich küssen?«, fragte ich irritiert und erntete ein leises Lachen, was mich wissen ließ, dass sich die Frage auf unser Spiel bezog – und auf das, was er wollte.

»Willst du?«, erkundigte ich mich. Hauptsächlich, um nicht sofort begeistert »ja« zu sagen, nur um dann mit einem »nein« konfrontiert zu werden.

»Ich würde dich als Antwort küssen«, gab Jacob kryptisch zurück.

Ich blinzelte und vergewisserte mich: »War das ein Ja?«

»Ja.« Wieder lachte Jacob leise. Und da er mich nicht küssen durfte, roch er sich an mir nach unten. Demonstrativ und sehr, sehr langsam – bis ich anfangen musste zu lachen.