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Persephones Erbe

Angelika Monkberg



ISBN: 978-3-942602-25-9
Auf Persephones Spuren werden manche Mythen lebendiger, als geplant.

Kati ist von ihrem neuen Chef Armin wirklich angetan. Nicht nur, dass er gut aussieht und offenbar noch zu haben ist, er vertraut ihr auch einen wichtigen Auftrag an: Gemeinsam mit ihm soll sie in Rom die Wellness-Landschaft eines kleinen, sehr exklusiven Hotels studieren und für einen reichen Kunden in Nürnberg nachbauen. Doch die Ernüchterung folgt prompt: Das Hotel ist uralt und heruntergekommen, die Angestellten des Hotels stellen Kati nach und ihr Chef wird von seiner Ex-Frau verfolgt. Als Kati dann auch beginnt, Tote zu hören, überschlagen sich die Ereignisse und Realitäten. Während sich Armins Ex als Hexe entpuppt, gerät eine geplante Party im Wellnessbereich außer Kontrolle und gipfelt in einer göttlichen Orgie. Schließlich sieht Kati nur noch einen einzigen Ausweg. Aber der führt sie in die Unterwelt des Hotels, direkt in die Katakomben.

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Auf Persephones Spuren werden manche Mythen lebendiger, als geplant.

Kati ist von ihrem neuen Chef Armin wirklich angetan. Nicht nur, dass er gut aussieht und offenbar noch zu haben ist, er vertraut ihr auch einen wichtigen Auftrag an: Gemeinsam mit ihm soll sie in Rom die Wellness-Landschaft eines kleinen, sehr exklusiven Hotels studieren und für einen reichen Kunden in Nürnberg nachbauen.
Doch die Ernüchterung folgt prompt: Das Hotel ist uralt und heruntergekommen, die Angestellten des Hotels stellen Kati nach und ihr Chef wird von seiner Ex-Frau verfolgt. Als Kati dann auch beginnt, Tote zu hören, überschlagen sich die Ereignisse und Realitäten. Während sich Armins Ex als Hexe entpuppt, gerät eine geplante Party im Wellnessbereich außer Kontrolle und gipfelt in einer göttlichen Orgie. Schließlich sieht Kati nur noch einen einzigen Ausweg. Aber der führt sie in die Unterwelt des Hotels, direkt in die Katakomben.
 
 
 
 
Über die Autorin
Angelika Monkberg ist das Pseudonym einer deutschen Autorin, die unter ihrem Realnamen bereits einige Veröffentlichungen im Bereich der Fantasy aufweisen kann.Sie lebt und arbeitet in Franken, in der Region, in der auch ihr erster Roman für Elysion zum Teil spielt.

Leseprobe

 Ich tippte die Zahlen ein und drückte die Klinke. Als erstes drehte ich die Steuerung der Gasheizung hoch. Landgraf durfte hier gerne den Eisbären Gesellschaft leisten, doch wenn ich mir von der arktischen Temperatur im Raum einen Schnupfen fing, nützte ich ihm gar nichts.

Ich zog mich um, frisierte und schminkte mich. Es wurde Neun und halb Zehn, aber mein neuer Chef kam nicht. Um Zehn reichte es mir. Ich zog die High-Heels wieder aus, strich die Sitzfalten aus dem Kleid und ging auf Strümpfen zu Landgrafs Bücherwand.

Alle Achtung, es waren fast nur Kunstbildbände oder Werke über Kunst. Gotik, Romanik, Renaissance. Dazu Antike, rauf und runter, Mykene, Knossos, Kykladen. Zuletzt fiel mir ein großer Band über die Caracalla-Thermen in Rom in die Hände. Gerade das Richtige für Landgrafs Bauvorhaben! Ich las mich fest. Und erschrak prompt gewaltig, als die Tür des Baucontainers plötzlich aufging. In der Öffnung stand ein mir völlig fremder Mann.

Verdammt, ich hatte vergessen abzuschließen. Hoffte ich unbewusst, Landgraf möge mich halbnackt überraschen? Kaum mehr möglich, das Kleid verbarg sowieso so gut wie nichts. Außerdem hatte er mich schon gestern darin gesehen. Allerdings nicht in der Farbe Nude.

Dem Fremden verschlug das Kleid jedenfalls die Sprache. Wir schwiegen uns eine gute halbe Minute lang an. Er war aber auch ein sehr erfreulicher Anblick. Sein Anzug saß wie maßgeschneidert, dazu trug er teure, blitzblanke Schuhe. Er war doch hoffentlich nicht Landgrafs betuchter Kunde, Malchow?

Aber dann bewegte er sich. Auf einmal kam er mir vertraut vor. Ich brachte nur das Gesicht nicht unter. Er hatte ein Grübchen am Kinn und eine kleine halbmondförmige Narbe neben dem Mund, die sein Lächeln auf sympathische Weise schief zog, als es breiter wurde. Er grinste wie ein Lausbub.

Aber Kati!”

Guter Gott, Landgraf, glatt rasiert und mit einem Superhaarschnitt. Durch die vielen Wirbel auf seinen Kopf sah sein Haar immer noch ein bisschen verwuschelt aus. Aber er sah richtig gut aus. Jung.

Allmächtiger! Sie hätte ich jetzt wirklich fast nicht erkannt.”

Landgrafs Schultern sackten.

Scheiße!

Ich hatte es versaut.

Es war ohnehin nicht klug. Man fing nichts an, mit seinem Chef. Ich schlüpfte eilig in die High-Heels. Wie ich es mir gedacht hatte: Ich überragte ihn darin um einen halben Kopf.

Entschuldigung”, sagte ich lahm.

Ist schon okay. Wollen wir?”

Er half mir in den Mantel.

Wir fuhren schweigend durch Nürnberg. Landgraf, weil er auf den Verkehr achten musste. Ich, weil ich mich nichts zu sagen traute. Wie mein Stiefvater immer sagte: “Wenn du mit einem Kerl nicht reden kannst, halt einfach den Mund.”

Wahrscheinlich ein guter Rat. Und ein Frustrierender. Immer, wenn mir ein toller Mann über den Weg lief, war er entweder verheiratet, mein Chef, oder nicht interessiert.

So – wir sind fast da!”

Wir bogen hinter Zirndorf in ein Waldstück ein. Die Bäume verbargen Malchows Besitz tatsächlich vollständig. Noch als wir das Außentor passiert hatten und die lange, von einer Mauer aus gestutzten Eiben umgebene Rampe hinauf fuhren, konnte ich nicht glauben, was vor mir auftauchte: Eine toskanische Villa.

Malchows Haus stand wie eine Vision auf einem Hügel mitten im flachen Nürnberger Land. Orangen und Wandelröschen in Kübeln dekorierten den Wendekreis für Gästeautos. Wenn es nachts weiter so kalt blieb, musste man sie vor dem Erfrieren retten.

Landgraf stellte sein Auto auf einer von niedergelassenen Pollern markierten Stelle ab.

Unter uns ist die Einfahrt in die Garage. Das Haus steht auf einem aufgegebenen Keller.”

Die Betonung, die er dem Wort gab, verriet mir, dass der Hügel, auf dem nun die Villa thronte, früher als Sommerlager einer Brauerei gedient hatte. Vor der Erfindung des künstlichen Kühlung hatte man sich überall in Franken Höhlen in Felsen zunutze gemacht, entweder natürliche oder künstlich geschlagene. Im Winter war bei starkem Frost Eis aus Teichen gesägt und in den Höhlen eingelagert worden, das dann bis in den Juli oder August hinein das eingelagerte Bier in den Felsenkellern kühl gehalten hatte. Meist waren auf solche Keller noch Bäume gepflanzt worden, zwischen denen man an heißen Tagen in einem Biergarten sitzen konnte.

Hat es hier einst Kastanien gegeben?”, fragte ich.

Ja. Schade drum”, sagte Landgraf, “aber wir mussten sie roden. Malchow wollte diese Rampe und die Eibenhecke und zur Gartenseite eine Kaskade. Nichts sollte den Eindruck vom schönen Süden stören.” Er zuckte mit den Schultern. “Der Kunde ist König.”

Sechs Korinthische Säulen trugen einen Portikus, auf dessen Stufen ein Butler wartete. Ein zweiter Angestellter eilte zu unserem Wagen, öffnete Landgraf die Fahrertür. “Darf ich Ihren Mercedes in die Garage hinunterfahren, Herr Landgraf?”

Gerne! Kommen Sie, Kati.”

Wir gingen auf die Villa zu, während Auto und Angestellter in die Tiefe versanken.

Soll ich Ihnen etwas gestehen?”, sagte Landgraf leise. “Ich habe den Termin gestern deshalb so schnell festgezurrt, weil ich Angst hatte, Sie überlegen sich das mit dem Kleid.”

Ach, Sie haben bemerkt, dass es eine Zumutung ist?”

Kati, Sie sehen super darin aus. Malchow wird es lieben. Aber keine Angst: Er ist bloß Voyeur.”

Na, das beruhigte mich ja unheimlich. “Was macht Malchow eigentlich, dass er sich diese Wohnumgebung leisten kann?”

Er hat – glaube ich – noch nie etwas gemacht.”

Also Geld geerbt. Mir war ein wenig bang, aber der hagere Mann mit dem graumelierten Haar, der uns mit ausgebreiteten Armen entgegen eilte, begrüßte Landgraf wie seinen besten Kumpel.

Armin! Schön, dass Sie da sind!”

Fehlte nur noch der Bruderkuss.

Aus nächster Nähe wirkte Malchow etliche Jahre älter und verbrauchter als mein Chef. Die eisblauen Augen allerdings waren hellwach. “Wen bringen Sie mir denn da, Armin?!”

Malchow zog mich ohne Umstände die letzten Stufen zu sich hinauf. Landgraf räusperte sich. “Darf ich vorstellen: Kati Friedrich, meine neue Mitarbeiterin – Peter Malchow.”

Die eisgrauen Augen prüften ausführlich meine Figur.

Gratuliere, Armin. Ich sehe gerne ein so attraktives Paar.” Malchows Blick ruhte jetzt auf meinen Brüsten. “Kommen Sie doch herein!”

Ich gab dem Butler meinen Mantel. Von irgendwo aus der Tiefe der Villa wehte mich eine Aura an, die mich seltsam an die Atmosphäre damals im Haus von Frau Hexe Kolbermeier erinnerte. Es war in diesem Fall mehr Moder und Schimmel, mit einem Unterton von Verwesung, der mein Herz kurzzeitig zum Rasen brachte. Wobei der oder die Psi, die ich wahrnahm, natürlich nicht im eigentlichen Sinn roch. Ich klassifizierte Hexen und Heiler nur für mich nach Düften, weil ich sie auf diese Weise wahrnahm. Wie andere Menschen vielleicht Zahlen als Farben, was ja auch in dieser Form nicht stimmt.

Auf alle Fälle hatte der Herr der Villa aber keine Manieren. Malchow saugte mir das Kleid mit den Augen quasi vom Körper. Ich ignorierte ihn, musterte lieber ausgiebig die Eingangshalle. Man hätte glauben können, dass wir in der Walhalla in Kehlheim standen. Das Atrium war dem Portikus ebenbürtig. Marmorintarsien, soweit das Auge blickte. Licht kam von hoch oben ganz klassisch, nur dass die Deckenöffnung hier anders als in der Antike üblich ein Flachdach aus Glas gegen Kälte und Regen abschloss. Angenehm war die Temperatur darunter trotzdem nicht. Meine Brustwarzen verhärteten sich trotz Push-up Bra unter der dünnen Seide des Etuikleides zu Knospen. Malchow registrierte es mit einem süffisanten Lächeln. “Kommen Sie, Kati!”

Er nahm meine Hand, die ich ihm nicht gern überließ und führte mich an der riesigen Palme aus vergoldetem Metall vorbei, die in der traditionellen Zisterne unter dem Lichtschacht des Atriums stand. “Hier entlang, bitte.”

Ich folgte ihm notgedrungen auf klickenden High-Heels zu einer mit Kupferblech verkleideten Doppelflügeltür. Malchow riss sie auf. “Herein in meine gute Stube!”

Der Raum nahm die ganze Länge der Villa ein. Er besaß mehr Säulen als die Alhambra und war eiskalt. Wie eine Gruft. Die ganze rechte Seite und die Stirnwand bestanden aus Glas. Möglich, dass der Garten im Sommer ein Traum war. Im Augenblick sah ich von der von Landgraf erwähnten Kaskade nur ein halb zugefrorenes, rechteckiges Wasserbecken vor der verhältnismäßig schmalen Terrasse. Was sich tiefer im Gelände verbarg, blieb unsichtbar.

Auch hier lag ein Geruch nach Moder und Schimmel, gewürzt mit einer Prise von etwas Medizinischem über allem. Er verstärkte sich noch um echtes Hexenaroma, Katzenpisse und verfaulte Kartoffeln peinigten meine Nase, während ich an Landgrafs Seite Malchow weiter in seine Hallenlandschaft hinein folgte. Linkerhand lagen etliche Türen in einer Wand, deren Anstrich in Ocker und Erdrot ziemlich Licht schluckte. Irgendwo dort, hinter einer der Türen, oder in einem Seitentrakt des Hauses wartete eine Hexe. Ich war mir sicher.

Landgraf merkte nichts. Er ging dicht an meiner Seite – wofür ich ihm sehr dankbar war – und gluckste vergnügt. Mein Chef deutete unauffällig mit dem Kinn auf die tiefblauen Säulen, die die Raumdecke trugen. “Malchow hat Corinnas Farbkonzept verändert.”

Die ursprüngliche Gestaltung war von Ihrer Ex?”

Er nickte.

Wie immer die Villa vorher ausgesehen haben mochte, jetzt war der riesige Raum in vier Bereiche geteilt. Malchow führte uns an einem großen Esstisch vorbei. Auf einem der zwölf Stühle saß ein kleines Mädchen, vielleicht fünf oder sechs Jahre alt. Sie wirkte im ersten Moment so lebensecht, dass ich erschrak.

Landgraf legte mir die Hand auf den Arm und flüsterte: “Einer seiner Spleens. Malchow hat mehrere solcher großen Puppen. Ich hätte Sie vorwarnen sollen.”

Wir gingen weiter, durch eine Konferenz- oder Arbeitszone mit mehreren Flachbildschirmen und zu einer Gruppe aus vier vergoldete Säulen mit ebensolchem Baldachin, die ungefähr die Raummitte betonten. Malchow ließ sich auf einem der dort stehenden, dunkelroten Sofas nieder. Er räumte einige Brokatkissen aus Saristoff zur Seite und klopfte einladend auf die Polsterung. “Setzen Sie sich doch bitte zu mir!”

Ich ignorierte seine Bitte – falls sie denn an mich gerichtet gewesen war. Malchow war genau die Sorte, die solche Fallen stellte. Ich nahm mit sorgfältig geschlossenen Schenkeln neben Landgraf Platz. Eigentlich höchst albern, Malchow konnte unter meinem Rock sowieso nichts sehen. Ich trug einen Stringtanga in der Farbe Nude und darüber eine hautfarbene, blickdichte Strumpfhose. Aber ich machte solche Spielchen schon aus Prinzip nie mit.

Malchows Augen glitzerten. “Kommen wir zum Geschäft: “Corinnas Gestaltung des Wellnessbereichs gefällt mir nicht mehr. Zu steril. Reißt den Seitenflügel komplett ab. Ich dachte an drei Grotten, je eine für die Sauna eine für die Dusche, dazu einen Ruheraum mit großzügiger Spielwiese.” Er zwinkerte mir zu. “Vielleicht die Grotten im Dreieck angeordnet, in einem Mittelraum könnte eine Bar stehen. Nixen und Nymphen sollen sich dort wie zu Hause fühlen.”

Malchows Blick saugte sich bei diesem Satz an meinen Brüsten fest. Aber das ließ mich vollkommen kalt. Der ganze Mann ließ mich kalt. Zweifellos erregte ihn meine kaum verhüllte Nacktheit. Wen hätte sie nicht? Landgraf streifte mich genauso oft mit Blicken. Ich bemerkte jedoch und das gefiel mir gar nicht, dass Malchow mich benutzte, um Landgraf auf die Palme zu treiben. Auf den ersten, flüchtigen Blick saß mein Chef entspannt breitbeinig neben mir. Aber seine Kiefer mahlten. Männer und ihre Machtspielchen!

Sie werden beide das Hotel Tenebre in Rom nicht kennen, es ist, wie soll ich sagen, ziemlich exklusiv. Vor allem der Wellnessbereich im Souterrain lässt keine Wünsche offen.” Malchows Hand glitt in seinen Schritt. Er blickte uns beide seufzend an. “Sie beide sind wirklich ein attraktives Paar. Kurz und gut, am liebsten hätte ich eine Eins zu Eins-Rekonstruktion. Fliegen Sie hin, sehen Sie sich das Tenebre an, messen Sie die Grotten aus oder was Sie sonst für nötig erachten. Sobald Sie zurück sind, machen Sie mir ein Angebot!”

Landgraf nickte.

Okay. Dann begießen wir das.” Malchow griff neben sich, zu dem Sektkübel, der auf einem Tischchen bereit stand. “Ach, Kati, gehen Sie doch bitte zum Essbereich. Im Sideboard auf der Serviceseite stehen Sektgläser.”

Mir war klar, dass mir beide Männer auf dem ganzen langen Weg durch die Wohnlandschaft auf den Hintern starrten. Ich ignorierte die unheimlich lebensechte Mädchenpuppe am Tisch und ging am Sideboard in die Knie, um die Sektgläser heraus zu nehmen. Als ich wieder hochkam, sah ich, dass auf der Ablagefläche aufgeschlagen ein Bildband lag. Die linke Seite zeigte eine der Fotografien kleiner Mädchen, die Lewis Carroll im 19. Jahrhundert aufgenommen hatte.

Ein schneller Blick in die Sitzgruppe verriet mir, dass Malchow mit meinem Chef konferierte. Was er sagte, schien Landgraf deutlich zu verstimmen. Sie achteten nicht auf mich. Ich riskierte es, blätterte schnell zum Titelblatt des Bildbands.

Little Girls, las ich, All Nymphs of Lewis Carroll.

Eine seltsame Lektüre für einen Finanzhai.

Ich legte das Buch aufgeschlagen wieder zurück.

Kati? Haben Sie die Gläser gefunden?”, rief Malchow quer durch den Raum.

Ich hob drei Stück hoch, damit er sie sehen konnte und ging zu Landgraf und Malchow zurück. Die Hexenaura hing noch immer im ganzen Raum. Sie wurde auf dem Weg zu Malchow aber wieder schwächer. Was vielleicht daran lag, dass Malchow reichlich Aftershave verwendete. Es war mir vorhin noch nicht dermaßen aufgefallen. Er dünstete das Zeug regelrecht aus. Dass ich ihn derart ins Schwitzen brachte, konnte doch eigentlich nicht sein.

Doch weil ich auch ein böses Mädchen war, beugte ich mich weit vor, als ich die Sektgläser abstellte, gestattete Malchow tiefen Einblick zwischen meine Brüste. Ich war mir sicher, dass ich früher oder später die Quittung dafür bekommen würde, entweder von ihm oder von meinem Chef. Tatsächlich machte Armin Landgraf ein Gesicht, als hätte er gerade in eine Zitrone gebissen. Fast tat er mir leid. Gleichzeitig ärgerte ich mich aber auch kräftig, über beide. Zum Teufel mit dem ganzen Tag. Wozu hatte ich Kunstgeschichte studiert? Supermodel hätte gereicht.

Malchow stand auf, um uns zuzuprosten. “Auf gute Zusammenarbeit!”

Wir stießen an. Landgraf trank den Sekt in einem Zug aus. Er knallte das Glas hart auf den Tisch. “Dann wollen wir Sie aber nicht länger aufhalten, Herr Malchow. Sie haben heute sicher noch andere Termine.”

Natürlich. Corinna wartet in meinem Arbeitszimmer. Kommen Sie, Kati! Ich begleite Sie beide noch hinaus.”

Landgrafs Gesicht glich nun erst recht einem Gewitter. Er marschierte mit Siebenmeilenschritten Richtung Ausgang und riss mich mit. Ich stolperte und wäre mit den High-Heels sicher gestürzt, hätte mir mein Chefs nicht blitzschnell den Arm um die Taille geschlungen.

Verzeihung!”, sagte Landgraf. Aber es klang nicht danach.

Malchow amüsierte sich prächtig. Er umarmte und küsste mich zum Abschied auf die Wange. Mein Chef wartete wenig erbaut. Kaum, dass er Malchows Butler Zeit ließ, mir in den Mantel zu helfen.

Sind wir soweit, Kati?”

Landgraf sprang in den bereitstehenden Wagen. Der Butler half mir hinein, ich war noch nicht richtig angeschnallt, da gab mein Chef schon Vollgas.

Herr Landgraf …”

Ich heiße Armin!”

Entschuldigung, Armin. Malchow wollte Sie nur provozieren.”

Schon klar!” Danach schwieg er. Ich wusste nicht, ob er sich über Malchow ärgerte oder über mich. Oder kam die Laus, die Landgraf über die Leber gelaufen war, daher, dass seine Ex bei Malchow wartete, vermutlich um ebenfalls den Auftrag zu ergattern? Ich traute mich nicht zu fragen.

Angelika Monkberg ist das Pseudonym einer deutschen Autorin, die unter ihrem Realnamen bereits
einige Veröffentlichungen im Bereich der Fantasy aufweisen kann.
Sie lebt und arbeitet in Franken, in der Region, in der auch ihr erster Roman für Elysion zum Teil spielt.