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Blutflucht – Evolution

Loreen Ravenscroft



ISBN: 978-3942602-23-5
Alle Individuen, die über normabweichende physische und psychische Fähigkeiten verfügen, müssen sich bei MUTAHELP registrieren lassen. Zuwiderhandlung wird strafrechtlich verfolgt.

Die Mutantin Kate lebt unerkannt unter den Menschen – zumindest, bis sie sich in den mysteriösen Jack verliebt. Von ihm in ein gefährliches Abenteuer verwickelt, wird sie schon bald zur Gejagten und muss sich einer Untergrundbewegung anschließen. Gemeinsam kämpfen sie gegen einen mächtigen Pharmakonzern, der Jacks besondere Fähigkeiten für sich nutzen will Doch während Kate das Lebenswerk ihrer ermordeten Eltern abschließen möchte, sinnt ihre große Liebe Jack insgeheim auf Rache.

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Leseprobe

Kapitel 1

Wie so oft half ich meinem Onkel Sam an der Bar aus. Seine urige Kneipe lag im Herzen von Greytown und es war Freitagabend. Langsam füllte sich der kleine Raum mit Gästen, während die alte Jukebox schon ein zweites Mal dieselben Lieder rauf und runter dudelte. Viele Männer, die meisten von ihnen Fischer und Hafenarbeiter, suchten nach einem langen und harten Arbeitstag Ablenkung, was den Alkoholverbrauch enorm in die Höhe trieb. Jeweils in Gruppen zu vier bis sechs Leuten drängten sie sich um die Tische, spielten Karten oder klagten sich gegenseitig ihr Leid über die Missstände, die der Machtwechsel mit sich gebracht hatte. Ein fischiger Geruch klebte an ihren Stiefeln und Seetang an den Wachshosen. Ich konnte Fisch nicht ausstehen! Warum musste ich gerade in dieser heruntergekommenen Stadt leben?
Meine eigentliche Verdienstquelle bestand darin, ein paar Zimmer zwei Stockwerke über dieser Kneipe zu vermieten. Ein Schild an der Tür meiner Pension verriet den Leuten, dass sie mich, Kate McAdams, hier, mitten im Haufen grölender Männer, finden konnten – falls sie eine bescheidene, aber saubere Übernachtungsmöglichkeit suchten.
Das Geschäft lief so einigermaßen. Viele, die neu in diese Stadt kamen, um Arbeit zu suchen, brauchten erst einmal einen Platz zum Schlafen. Es war schwer in diesen Zeiten Arbeit zu finden, was nicht allein an dem Regierungswechsel lag. Das war es schon gewesen, als ich vor über zwei Jahrzehnten das Licht der Welt erblickte. Das war zu der Zeit, in der sich die Menschheit spaltete, denn die Welt hatte sich verändert und mit ihr ihre Bewohner.
Es gab die »Normalos« auf der einen Seite und eine ausgestoßene Minderheit auf der anderen: die Mutanten. Das waren Menschen, deren Eltern oder Großeltern sich genetischen Experimenten unterzogen hatten. Das illegale Geschäft mit der Gentechnik boomte damals. Die Ärzte versprachen mittels speziellen Therapien jede Krankheit heilen zu können.
Die Probanden, die sich den ersten Experimenten zur Verfügung gestellt hatten, waren gut bezahlt worden, daher hatten sich viele Freiwillige gemeldet. Doch der Eingriff in das menschliche Erbgut blieb nicht ohne Folgen: Die veränderten Gene mutierten bei einigen Menschen und wurden oft weitervererbt. Grässliche Missbildungen an Neugeborenen waren keine Seltenheit. Einige von denen, die nicht tot oder entstellt geboren wurden, entwickelten im Laufe des Lebens außergewöhnliche Fähigkeiten.
Manchen sah man nicht an, dass sie anders waren, so wie mir, weshalb ich dieses Geheimnis wie einen Schatz hütete. Außer meinen Eltern, Gott habe sie selig, und meinem lieben Onkel Sam, teilte ich dieses Geheimnis mit niemandem. Ich wollte einfach ein normales Leben führen – dazugehören. Insofern war es dann doch nicht so übel, in Greytown zu leben. Hier gab es viele Menschen wie mich, das spürte ich instinktiv.
Erneut öffnete sich die Tür und die zwei Jugendlichen, die hereinkamen – Pickelgesicht und Blondie, wie ich sie immer nannte –, rissen mich aus meinen Gedanken. Sie gingen direkt auf die Bar zu, wo ich die meiste Zeit des Abends verbrachte. Ich hatte sie hier schon oft gesehen und konnte sie nicht ausstehen. Ständig machten sie mir gegenüber anzügliche Bemerkungen. Eben zwei Halbstarke, die gerade der Pubertät entwachsen waren und nicht wussten, wie sie mit ihren überkochenden Hormonen umzugehen hatten. Sie glaubten wohl, sie könnten damit einer jungen Frau imponieren.
Ich verstand sie irgendwie. Es war für junge Menschen schwer, Arbeit zu finden. Die meisten hingen nur herum, stahlen oder betranken sich. Sie hatten nichts, womit sie sich beweisen konnten. Keine Perspektive, keine Zukunft.
Ich blieb wie immer freundlich und mixte ihnen ihre Drinks. Alles war an diesem Abend genauso wie an jedem anderen Freitagabend auch: die ewig gleiche, dröhnende Musik, von Zigaretten verqualmte Luft, dieselben Gesichter.
Meinem Onkel Sam half ich so gut es ging, denn schließlich war er nicht mehr der Jüngste, und einen weiteren Angestellten konnte er sich auf Dauer nicht leisten. Für meine Hilfe stellte er mir die fünf Zimmer über der Kneipe zur Verfügung. Die Mieteinnahmen durfte ich komplett behalten. Zum Glück hatte ich von meinen Eltern eine kleine Wohnung in der Nähe geerbt, weshalb mein knappes Einkommen gerade zum Leben reichte.
Es hätte mich auch schlimmer treffen können.
Ja, eigentlich ging es mir verdammt gut.
Soeben träumte ich, wann ich endlich genug Geld auf der Seite hätte, um dieser trostlosen Stadt für einige Tage den Rücken kehren zu können, als wieder die Tür aufging und ein weiterer Gast die Kneipe betrat. Bei seinem Anblick hielt ich den Atem an und mein Magen wollte bis zu den Knien rutschen. Für einen Moment nahm ich nichts mehr um mich herum wahr. Vor Anspannung ballte ich die Hände zu Fäusten, wobei sich meine Fingernägel in meine Handflächen bohrten. Doch auch das registrierte ich kaum.
Ich hatte diesen Mann seit Wochen nicht mehr gesehen und die Hoffnung bereits aufgegeben, dass er sich hier noch einmal blicken lassen würde. In meinem Bauch breitete sich sofort ein angenehmes Kribbeln aus. Schnell versuchte ich mich auf das Einschenken der Getränke zu konzentrieren, damit er mein rotes Gesicht nicht bemerkte. Zugleich verfluchte ich meine Schüchternheit. Er war mir schon einmal durch die Lappen gegangen. Ein zweites Mal wollte ich eine Chance nicht verspielen, falls sich überhaupt eine auftun würde.
Prüfend ließ er den Blick durch den dunstigen Raum gleiten. Dieses wunderbare Beispiel männlicher Schönheit war um einiges größer als ich und bestimmt ein paar Jahre älter. Sein dunkelbraunes Haar war zerzaust und hätte dringend einen Schnitt nötig gehabt. Seinen Bart hatte er auch schon mehrere Wochen nicht mehr rasiert und unter seinen Augen hingen dunkle Ringe. Überhaupt wirkte er ziemlich erschöpft und ausgebrannt. Der wilde Anblick schockierte mich, unterschied er sich doch erheblich von seinem letzten Besuch. Seine Aura schien ebenfalls nicht mehr so hell zu strahlen wie bei unserer letzten Begegnung. Trotzdem machte er auf mich einen starken, fast schon animalischen Eindruck. Was wahrscheinlich an seinem gut gebauten Körper und den dunkelgrauen Augen lag, die etwas von einem lauernden Tier hatten. Nicht, dass ich jemals ein lebendes Raubtier gesehen hatte, außer kranke, streunende Hunde, die es irgendwie schafften in dieser ausgemergelten Stadt zu überleben.
Als Kind hatte ich mit meinen Eltern ein Zoo-Museum besucht und dieser mysteriöse Mann erinnerte mich plötzlich an diesen fantastischen, exotischen Ausflug. Ein Beamer hatte damals einen scheinbar lebendigen, dreidimensionalen Tiger, der immer um die Besucher herumschlich, in den Ausstellungsraum projiziert. Ich war so fasziniert von der Schönheit und Geschmeidigkeit dieses Tieres gewesen, dass ich heute noch von diesem Tag träume. Genauso war es mir mit diesem Fremden ergangen.
Als er vor mehreren Wochen zum ersten Mal den Laden meines Onkels betreten hatte, war es sofort um mich geschehen gewesen. Doch die wenigen Male, die er bei mir an der Bar gesessen hatte, war er so still und verschlossen gewesen, dass wir kaum ein paar Worte gewechselt hatten.
Hoffentlich war er mittlerweile aufgetaut.
Heute trug er ein ärmelloses graues Shirt und an seinen braungebrannten Armen erkannte ich deutlich feine weiße Linien, die wie Narben aussahen. Ich erinnerte mich nicht, dass sie mir das letzte Mal schon aufgefallen wären. Seine Jeans hatten auch schon bessere Tage gesehen, trotzdem sah dieser Kerl in meinen Augen umwerfend gut aus, vor allem, wie sich der Stoff um seine Muskeln spannte. Keine Ahnung, warum gerade ich so auf ihn reagierte, denn von den wenigen Gästen, die sein Erscheinen überhaupt registriert hatten, erntete er nur abfällige Blicke.
Erneut bewunderte ich seinen gebräunten Teint, fand es aber ziemlich riskant, sich dermaßen ungeschützt den krebserregenden Strahlen der Sonne auszusetzen. Die Ozonschicht war schon ewig zerstört und von einem längerer Aufenthalt unter freiem Himmel war dringend abzuraten.
Als sein Blick auf mich fiel, glaubte ich ein Lächeln auf seinen Lippen zu erblicken, worauf sofort meine Wangen in Flammen standen. Verflixte Schüchternheit!
Der Typ hatte aber auch einen sinnlichen Mund, Teufel noch mal!

Loreen Ravenscroft ist ein weiteres Pseudonym der Autorin Inka Loreen Minden (homo-erotische Literatur)/ Lucy Palmer (Erotik).
Unter diesem Namen werden in Zukunft romantische Romane (Romantasy) erscheinen, deren Schwerpunkt NICHT auf der Erotik liegt.
Im Jahr 1976 in Berchtesgaden geboren, verschlug es die Autorin nach dem Abitur nach München. Von ihr sind bereits 22 Bücher, 5 Hörbücher und zahlreiche E-Books erschienen.

Mehr über die Autorin auf ihrer Homepage:
Webseite Loreen Ravenscroft
Webseite Inka-Loreen Minden