Familie

Autismus ist eine langfristige Belastungprobe für jede Familie.Genau wie jeder Autist anders und einmalig ist, ist es ja schließlich auch jeder Mensch. Und jeder geht anders mit einem Autisten um oder ist gar der Meinung, seine Art mit dem oder der Betroffenen umzugehen sei die einzig richtige.

Schon allein das kann zu Spannungen innerhalb einer Beziehung oder einer Familie führen. Hier sollte man immer daran denken, dass jeder das Beste für den Betroffenen möchte – und danach hilft dann nur noch eines. Nämlich: Reden, reden und reden. Reden Sie miteinander und meinetwegen auch durcheinander. Versuchen Sie einen gemeinsamen Weg zu finden und fragen Sie auch immer den Menschen im Autismusspektrum, wie er den jeweiligen Weg oder den Lösungsansatz findet. Auch wenn er vielleicht (noch) nicht sprechen oder sich ausdrücken kann, kann er eventuell seine Meinung durch andere Optionen ausdrücken. Talker, Handsignale, Gesicht-verziehen etc.

Aber auch ansonsten, wenn man sich als Familie mit dem Umgang mit „seinem“ Autisten geeinigt hat und eine für sich selbst akzeptabele Lösung gefunden hat, muss man außerhalb der eigenen vier Wände immer mit allem Rechnen. Da Autisten eine andere Wahrnehmung als die Neuronorm haben, Dinge als zu kalt, zu laut, zu leise empfinden, regieren sie für „normale“ Menschen häufig überzogen. Und wenn diese Menschen gar nichts von dem ahnen, womit sich der andere gerade rumschlägt und wahrscheinlich ohnehin gerade Höchstleistungen vollbringt, kann man sich vorstellen, welches Potential an Missverständnissen hier lauert.

[Anekdote: Ich selbst bin schon im Supermarkt von Wildfremden angeraunzt worden, warum mein Kind sich denn nun wegen einer Kleinigkeit so aufregen würde, es wäre doch nur ein Staubsauger. An einem anderen Tag, das Kind stand mit zugehaltenen Ohren, das Gesicht fest in meinem T-Shirt vergraben vor mir und ließ sich langsam rückwärts zur Kasse schieben. Die Kassiererin hatte viel Verständnis und akzeptierte das Verhalten nach einer kurzen Erklärung von mir. Bis zum bitteren Ende, an dem sie ihm tröstend über den Rücken strich und dann versuchte seine Hand zu lösen, um ein Bonbon hineinzuschieben. Ich muss wohl nicht erwähnen, dass das leider nach hinten losging und einen totalen Verzweiflungsschub auslöste …]

Die Betroffenen merken meistens nicht, dass sie sich anders verhalten als ihre Umwelt oder können ihr Verhalten in manchen Situationen nicht mehr steuern. Dazu kommt, dass man ihnen ihr Handycap nicht ansieht.

Deswegen ecken sie häufig an und werden als schlecht erzogen eingestuft. Genauso oft fällt ihr non-konformes Verhalten auf die Eltern zurück. Konfrontiert mit Erziehungsvorwürfen, schiefen Blicken oder durch eigene Versagensängsten geplagt, meiden viele Eltern die Öffentlichkeit.

Der Gedanke, nur in der eigenen Familie und in den eigenen vier Wänden verstanden zu werden oder nicht aufzufallen, kann zu einem Teufelskreis werden und schließlich zur sozialen Isolation für die ganze Familie führen.

Tipp: Auch wenn es schwerfällt, informieren Sie Ihre Familie und Ihren engsten Freundeskreis. Verteilen Sie kleine Informationszettel. Reden Sie mit den Menschen in Ihrem Umfeld. (Denken Sie hier auch an Ihre Nachbarn, die ja meistens als erstes bemerken, dass „da etwas nicht stimmt“.)

Weiten Sie diese Informationen aus auf den weiteren Freundes- und Bekanntenkreis, auf die Menschen in Ihren Sportvereinen. Auch wenn Sie vielleicht nicht selbst sofort oder mittelbar profitieren, vielleicht helfen Sie so einem anderen Autisten oder einer anderen betroffenen Familie.

Haben Sie für den Notfall (wenn Sie gerade mit „Ihrem Autisten“ beschäftigt sind und alle Hände voll zu tun haben … oder einfach gerade nicht den Nerv haben, sich mit irgendwelchen gut gemeinten Ratschlägen oder angenervten Mitmenschen auseinanderzusetzen) immer einen kurzen Informationszettel bei sich – griffbereit in der Tasche. Den Menschen in die Hand drücken reicht meistens.

Gerne empfehle ich an dieser Stelle auch unsere Merchandise-Artikel und den Fan-Shop. Da ist ür jeden Geschmack und für „jede Frechheit“ etwas dabei – und man kann zum Beispiel einfach auf sein T-Shirt zeigen, um sein Gegenüber zu informieren 🙂