Hilfe & Therapie

Nach der Diagnose kommen viele neue Informationen geballt auf einen zu. Das reicht von der Beantragung eines geeigneteren Umfelds bis hin zu Gesprächen mit Krankenkasse, Ordnungsamt, Finanzamt, Sozial- bzw. Jugendamt. Desweiteren müssen Therapeuten organisiert und auf die spezifischen Bedürfnisse des jeweiligen Betroffenen hingewiesen werden. Teilweise erfolgen aber hier noch „Unterdiagnosen“ und weiterführende Tests.

Hilfe

1.) Krankenkasse: Hier wird ein Pflegestufe beantragt. Zur Einstufung kommt ein Prüfer des Kassenärztlichen Dienstes in die Familie und macht sich dort ein Bild von dem Betroffenen und dessen Handycap. Nachdem der Bedarf geprüft wurde erfolgt die Einstufung in einen von fünf Stufen.

Der Termin zur Einstufung kann bis zu sechs Monaten dauern und sehr häufig wird erst nach Widerspruch eine gerechte Stufe bewilligt. Generell ist es von Vorteil, schon involvierte Therapeuten bei der Bedarfsprüfung dabei zu haben.

2.) Ordnungsamt: Parallel zur Beantragung der Pflegestufe sollte man einen Behindertenausweis beantragen. Je nach gewährtem Schweregrad bekommt man einen Nachteilsausgleich. Das bedeutet, dass man z.B. eine Begleitperson kostenlos in Bus und Bahn mitnehmen kann.

Die Ausstellung eines Behindertenausweises kann bis zu sechs Monaten dauern und auch hier ist häufig ein Widerspruch notwendig, um die für Autisten durchschnittlich gewährte Quote von 80% zu bekommen.

Sowohl die Begleitperson als auch der Fahrschein ist extra zu beantragen.

3.) Finanzamt: Hier kann man beim Jahresabschluss einen steuerrechtlicher Nachteilsausgleich geltend machen.

4. ) Sozialamt oder Jugendamt: Hier muss man persönlich mit dem Betroffenen Anträge bezüglich eines geeigneten Kindergartenplatzes stellen. Auch Anträge zur Schulhilfe in Form eines Schulbegleiters kann man hier stellen. Die Förderung im Rahmen einer Autismusambulanz oder vergleichbaren Einrichtungen wird ebenfalls hier gewährt.

5.) Sprachheilförderung: Die Leistung der Sprachheilförderung erfolgt entweder durch die Stadt im Rahmen eines Sprachheilkindergartens oder -schule oder den Arzt. Dann erfolgt die Therapie durch einen Logopäden und wird durch die Krankenkasse bezahlt.

Beides muss gesondert beantragt werden.

Auch das Erlernen von Gebärdensprache und „Gebärden unterstützte Kommunikation“ (GUK) und Einsatz sogenannter „Talker“ kann erfolgen.

Letzterer muss von der Krankenkasse bewilligt werden – während die Therapie damit wieder über die Stadt beantragt werden muss.

Therapie

Autismus ist nicht heilbar!

Jede therapeutische Maßnahme zielt daraufden Betroffenen ein Leben in einem sozialen Umfeld zu erleichtern. Dazu wird die soziale Kompetenz, Interaktionen und die Kommunikation trainiert.

Gerade die Frühförderung ist sehr wichtig. Aber generell werden Spiel- und Alltagssituationen eingeübt und Schlüsselverhaltensweisen so oft wiederholt, bis sie ritualisiert werden.

Abzuraten ist hier von therapeutischen Maßnahmen, die mit drakonischen Strafen arbeiten, um das gewünschte Verhalten zu erreichen. Bitte fallen Sie auch nicht auf Betrüger herein, die Zellstoffwechsel-Analysen für das Nonplusultra halten oder Ihnen eine Heilung versprechen!

Förderung

im Kindergarten

Beantragt werden kann ein geeigneter Platz in einem integrativen Kindergarten bereits während der Diagnostik. Allerdings sind die Wartezeiten immens (ab sechs Monate) und die Kosten für diese rar gesähten Plätze meist deutlich teurer als die der Normkindergärten, was sich natürlich durch die aufwendigere Struktur rechtfertig.

Einen Platz in einem heilpädagogischen Kindergarten kann man erst nach der Diagnose beantragen. Nach der Antragsstellung, die je nach Stadt beim Sozialamt oder dem Jugendamt erfolgt, dauert es in der Regel relativ lange, einen der wenigen existierenden Plätze zu bekommen. Genau Zeiten sind nicht zu finden, aber das Sozialamt der Stadt Leipzig rechnet zB mit 6 Monaten. Lange Anfahrtswege sind hier in Kauf zu nehmen, da es nur wenige Einrichtungen – mit wenigen Plätzen – gibt.

in der Schule

Wird eine autistische Schülerin oder ein autistischer Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf in der allgemeinen Schule unterrichtet, so erhalten die Lehrkräfte Unterstützung durch sonderpädagogische Lehrkräfte. Der Schulträger kann weitere Fachkräfte zur Verfügung stellen.

Bedeutsam für autistische Schülerinnen und Schüler ist auch die ambulante Autismustherapie und Schulbegleitungen durch Begleitpersonen („ergänzende Schulhilfen“). Hierbei handelt es sich um Eingliederungshilfe, wofür die Sozial- bzw Jugendhilfeträger zuständig sind. Beide Maßnahmen sind nebeneinander zu gewähren, sofern die jeweiligen Anspruchsvoraussetzungen vorliegen.

Weiter kann die Förderung einer Privatschule oder einer Web-Individualschule beantragt werden, wenn diese geeigneter erscheinen. Ansonsten besteht in jeder Schulform die Möglichkeit einen Nachteilsausgleich anzustreben. Dazu zählen: Verlängerung der Arbeitszeit (bei Klausuren, Tests und Hausaufgaben), Bereitstellen von Hilfsmitteln oder die Möglichkeit allein an einem ruhigen Ort die Arbeit zu schreiben, Gebrauch von Kommunikationshilfen oder ein Schulbegleiter.

im Beruf

Die berufliche Erstausbildung kann durch die Agentur für Arbeit gefördert werden. Auch arbeitbegleitende Hilfe oder zusätzliche Eingliederungshilfen kommen in Frage und sind über die Jugendhilfe oder die Sozialhilfe zu beantragen. Die Inanspruchnahme eines Arbeitsassistenten ist bis zu drei Jahre lang möglich.