Chronik der Engel

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Chronik der Engel – Flügelrauschen

Manchmal kann Liebe den Himmel öffnen – oder zur Hölle verdammen


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Beschreibung

Chronik der Engel

Teil 1 „Flügelrauschen“

Manchmal kann Liebe den Himmel öffnen – oder zur Hölle verdammen

Als Lilly nach einem Unfall mit einer Amnesie erwacht, muss sie sich in ihr unbekanntes Leben finden. Doch ihr Job ist merkwürdig, ihre Freunde seltsam und einige ihrer Nachbarn scheinen sie gar zu überwachen. Allen voran Adam Primus, der anscheinend ebenso wie Lilly die außergewöhnliche Gabe besitzt, Engel sehen zu können. Rasch erkennt Lilly, dass die Dinge nicht immer so sind, wie sie erscheinen.

Aber was Lilly am meisten beunruhigt: Der faszinierende Adam scheint auf der Seite des Guten zu kämpfen – und gegen sie!

 

VERFÜGBAR AB DEM 21.10.21

Autor: Daria Sarafin
Titel: Chronik der Engel – Flügelrauschen
Umfang: ca. 320 S.
Auflage: 1. Auflage
ISBN: 978-3-942602-09-9
Anspruch: ❤️❤️❤️❤️
Spannung + Thrill: ❤️❤️❤️❤️❤️
Liebe + Romantik: ❤️❤️❤️❤️❤️
Sex:
Erotik: ❤️
Humor: ❤️❤️❤️❤️

Zusätzliche Information

Größe 10 × 5 × 3 cm

Leseprobe

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Prolog

Plötzlich bin ich bei Bewusstsein. Und doch nicht so richtig, denn noch immer liegt ein Filter auf meiner Erinnerung, auf mir selbst und meinem Ich-Empfinden. Es fühlt sich an, als seien mein Bewusstsein und mein Körper in Watte gehüllt und vor allen äußeren Einflüssen geschützt – oder besser: getrennt.

Ich bin mir nicht einmal sicher, wo ich anfange und wo ich ende. Was bin ich und wo?

Verwirrt blicke ich an mir herab, doch allumfassende Finsternis ist alles, was ich sehen kann. Sie ist so tief und dunkel, dass ich einen Moment lang nicht sicher bin, ob ich nicht die Dunkelheit selbst bin oder ob ein »ich« wirklich existiert. Vielleicht existiere »ich« ja nur als Möglichkeit, als etwas, das eventuell irgendwann einmal sein kann.

Aber dafür sind meine Gedanken zu komplex. Zu drängend der Wunsch, etwas zu sehen. Irgendetwas. Ich blinzele und versuche, meine Augen zu öffnen – der Schmerz in meinen Lidern belehrt mich über die Wahrheit: Sie sind bereits offen. Und es ist wirklich dunkel. So dunkel, als habe es nie ein Licht gegeben, nie Leben.

Ich ignoriere den plötzlichen Druck des Unbehagens und atme ein, bis ich das Gefühl der Spannung in meinem Inneren kaum mehr ertragen kann.

Doch ein Teil meines Unwohlseins bleibt, nagend und um Aufmerksamkeit heischend.

Etwas stimmt nicht!

Obwohl ich nicht das Gefühl habe, in Gefahr zu sein, konzentriere ich mich auf meine zurückgewonnenen Sinne, und noch während die Welt um mich heller und wieder erkennbar wird – das Licht kommt von überall und nirgendwo – kristallisieren sich Schattierungen in meiner Umgebung heraus. Sie bewegen sich.

Erschrocken blinzele ich, als mich etwas Dunkles im Gesicht streift, und versuche, zurückweichend danach zu greifen, doch es ist verschwunden, bevor ich es zu fassen bekomme.

Ich blinzele bei einer zweiten, sanften Berührung, die meine Wangen streift und während es mir endlich gelingt, etwas zu sehen, wächst meine Verwirrung.

Schwarze und weiße Federn schweben in einer wilden Mischung verschiedener Schattierungen durch die Luft, liegen knöchelhoch auf dem Boden und kitzeln mein Gesicht. Sie scheinen von riesenhaften Vögeln zu stammen und ihre Größe variiert von armlang zu winzigen Flaumansammlungen.

Andere Lebewesen sind in meiner Nähe.

Hinter herumwirbelnden Federkaskaden, verborgen vor meinen Blicken, kann ich sie kämpfen hören. Sie wälzen sich auf dem flaumweichen Boden, Haut schlägt gegen Haut und leise, gequälte Seufzer werden unterdrückt.

Das warnende Kribbeln in meinem Inneren steigert sich.

Trotzdem siegt meine Neugierde. Ignorant trete ich einen Schritt näher und der fliegende Vorhang lichtet sich genug, um mich meinen Irrtum erkennen zu lassen.

Die Nicht-Kämpfenden sind nackt – und definitiv mehr als zwei!

Dann sehe ich an mir hinab und begreife endlich vollständig: Ich träume!

Verzweifelt schüttele ich den Kopf. Doch statt zu erwachen, wird es wieder dunkler. Die Masse an Federn nimmt zu, passt sich aber den Lichtverhältnissen an. Von Lichtgrau zu Dunkelgrau bis schließlich nur noch schwarze Federn vom Himmel fallen.

Taumelnd gelingt es mir, dem Druck zu widerstehen, aufzustehen, inzwischen hüfthoch in Federn. Ich versuche zu laufen, doch obwohl Federn weich und flauschig sind, gelingt es mir nicht. Es sind zu viele. Selbst die Luft, die ich atme, scheint von ihnen erfüllt zu sein und mehr als einmal spüre ich das Kitzeln von Daunen an den Lippen.

Ich muss hier weg. Muss vor den Federn fliehen, vor der Dunkelheit, die sich immer weiter ausbreitet und inzwischen so dicht ist, dass sie jedes Licht zu absorbieren scheint, jeden bewussten Gedanken. Längst sind meine Lust und meine Erregung einer tiefsitzenden Angst gewichen, die mich kopflos taumeln lässt. In diesen Federn werde ich ersticken, kann nicht fliegen, nicht fliehen. Wohin auch? Das hier ist überall – und nirgendwo.

Ich werde sterben und vergehen und niemals wieder existieren. Das weiß ich mit einer Sicherheit, die an Unendlichkeit grenzt und die sich fast wie ein Ausweg anfühlt. Aber eben nur fast.

Ein Schrei dröhnt durch die Finsternis. Melodisch und vielschichtig wie eine Symphonie, transportiert einen Schmerz mit sich, Leid von Jahrhunderten, möglicherweise Jahrtausenden. Eine Ewigkeit voller Schuld, Verzweiflung und Einsamkeit. Ich bin mir nicht sicher, ob er von mir stammt oder von einem anderen Wesen. Hänge ihm nach, wie einem Urknall, der Welten entstehen lassen und Schöpfungen vernichten kann. Nur Tränen, die meine Wange hinunterlaufen als Reminiszenz auf den Laut, die fühle ich. Und plötzlich weiß ich es. Es ist nämlich meine Schuld. Es ist meine Schuld … Alles.

*

Ich setzte mich auf und heule und schüttele mich gleichzeitig, zittere wie Espenlaub. Tränen laufen über meine Wange und meine Zähne klappern, während ich mich darum bemühe, den Rotz in meiner Nase zu behalten.

Emotionen fluten so schnell durch meinen Körper, dass ich gar nicht so recht sagen kann, warum ich weine. Angst, Verwirrung und Verzweiflung kämpfen in meinem nun wachen Bewusstsein um die Oberhand und drohen, mich zu verschlingen, obwohl ich keine Ahnung habe, um was es in dem Traum überhaupt ging. Aber Träume sind ja bekanntlich selten realistisch.

Außerdem ist mir kalt. Eiskalt. Seit wann ist es in meinem Bett so kalt?

Die Luft scheint sich noch mehr abzukühlen und obwohl meine Haut immer noch von dieser seltsamen Leidenschaft, die ich im Traum gespürt habe, glüht, überzieht eine Gänsehaut meinen ganzen Körper. Ich winkele meine Beine an und umschlinge sie mit den Armen, dabei berühre ich etwas Weiches. Sekundenlang halte ich es in der Hand und drehe es unschlüssig, bis ich begreife, was sich da zwischen meinen Fingern befindet: eine Feder.

Schlagartig ist die Schuld wieder da. Tief und durchdringend und allumfassend. Aufgewühlt lasse ich das schwarze flauschige Ding los und schlage die Decke zurück. Mit dem Ergebnis, dass schwarze Federn aus meinem Bett quillen.

Verwirrt und trotz des Wissens, mich in einem Traum zu befinden voller Panik, springe ich aus dem Bett. So nackt, wie ich eben bin und versuche fortzulaufen. Aber so wie schon in dem Alptraum zuvor gibt es keinen Ort, zu dem ich laufen kann. Nichts, was eine Flucht möglich macht. Nur gleißende Helligkeit überall. Licht, das aus jeder Richtung zu kommen scheint und keinen Schatten wirft. Nicht einmal, als es immer mehr schwarze Feder werden, sie in atemberaubender Geschwindigkeit den Boden bedecken und ansteigen. Höher und höher.

Obwohl ich weiß, dass ich eigentlich schlafe und mir nichts geschehen kann, komme ich nicht gegen den Drang an, um Hilfe zu rufen – bis die Federn mir bis zum Halse stehen. Dann klappe ich den Mund zu und presse meine Lippen fest aufeinander. Ein letzter Atemzug durch die Nase, danach nichts mehr. Wattige Finsternis wie eine lebendige, greifbare Macht. Urdunkelheit, in der ich zerfasere, mich auflöse und aufhöre zu sein.

1 – Erwachen

Ich bin tot, denke ich im ersten Moment. Im Zweiten auch. Ich muss tot sein. Ich habe mich aufgelöst, bin vergangen, zum Ursprung aller Existenzen zurückgekehrt. Außerdem sind die Schmerzen so überwältigend, allumfassend, dass es gar keine andere Option geben kann. Es gibt Dinge, die sind unmöglich zu überleben. Diese Schmerzen zum Beispiel.

Dann stelle ich fest, dass meine Atmung funktioniert und der körpereigene Reflex mich zum Einatmen zwingt. Luft, die nach Kräutern riecht und nach Krankheit und nach irgendetwas undefinierbar Gesund-Sterilem und mir wird klar, wie widersinnig mein Gedanke gewesen ist. Ein Widerspruch in sich. Ich habe Schmerzen, ergo einen Körper und deswegen auch Augen zum Öffnen. Noch während ich diesen Gedanken umsetze, wünsche ich mir, ich sei tatsächlich tot. Die Helligkeit meiner Umwelt schießt durch meine Nervenbahnen, setzt sich wie gleißendes Feuer in meinen Adern fest und pulsiert im Takt meines Herzens durch meinen Körper. Selbst mit der Hand vor meinen Augen kann ich das Licht noch spüren. Lauernd und zu einem weiteren Attentat bereit.

Vorsichtig und hinter fest zusammengelegten Fingern blinzele ich.

»Ah, Sie sind wach!« Eine angenehme, maskuline Stimme schreckt mich auf. So sehr, dass ich beinahe trotz der Warnung, »lassen Sie die Augen lieber geschlossen,« die Hände nach unten genommen hätte.

»Wo waren Sie vor fünfzehn Sekunden?«, höre ich eine Stimme grummeln, die meine sein muss. Zumindest kommt sie aus meinem Mund. Sie klingt ungewohnt und rau und so, als hätte ich seit ziemlich langer Zeit keinen Mucks mehr von mir gegeben. Dafür spricht, dass jeder Ton in meinem Hals schmerzt und über die empfindliche Haut zu kratzen scheint. Ich klinge wie ein Reibeisen.

Ich fühle, wie sich mein Mund erneut bewegt und langsam Worte formuliert, auf die ich keinen Einfluss habe. Vielleicht träume ich immer noch? »Was machen Sie …?«

Moment mal! Maskulin? Und überhaupt. Ich korrigiere mich, als meine Gedanken aufholen und stoppe die Verbalinjurien noch auf meinen Lippen, um sie umzuwandeln und der Erkenntnis anzupassen. Ich lebe noch, habe Schmerzen, die Luft riecht nach Medikamenten und der Mann vor mir trägt Weiß und wann genau habe ich eigentlich die Augen geöffnet und … Die Kopfschmerzen kommen so heftig, dass ich würgen muss. Etwas, was sich in meinem wunden Hals anfühlt, als sei ich ein nicht sehr erfolgreicher Schwertschlucker.

Wie von selbst erscheint ein Spucknapf vor mir und wird mir unters Kinn gehalten. Erst Sekunden später begreife ich, dass es der Weißgekleidete gewesen sein muss, der ihn dort hinbefördert hat, schließlich hält er den Napf immer noch. Ich benötige trotzdem eine weitere Sekunde, um den Sinn seines Handels zu kapieren. Zum Glück bin ich dadurch so abgelenkt, dass sich mein Magen beruhigt.

Als ich mir sicher bin, den Mund öffnen zu können, ohne meinen Mageninhalt auf mein Gegenüber zu verteilen – oder mit einem bisschen Glück koordinativ in den Napf befördern zu können – füge ich all die bisherigen Bruchstücke zu der allentscheidenden Frage zusammen: »Was mache ich in einem Krankenhaus?«

»Wissen Sie das nicht mehr, Frau …?«

»Doch. Ich stelle nur gerne blöde Fragen«, kontere ich fast zeitgleich und ohne das die Worte einen Umweg über meinen Verstand genommen haben. Irgendetwas stimmt nicht. Überhaupt nicht. Ich schließe die Augen und lege meine Finger an meine Schläfen. Auch der sanfte Druck bringt nichts. Ablenkung hilft bei meinem inneren Aufruhr anscheinend herzlich wenig. »Wie zum Teufel kann man solche Kopfschmerzen haben, ohne daran zu sterben?«

»Ah! Das erklärt die schlechte Laune.«

»DAS ist doch noch keine schlechte Laune!« Erst als die Worte, die sehr lauten Worte, verklungen sind, wird mir klar, dass meine Antworten wie auf Automatik laufen. Würde es nicht so sehr in meinem Schädel dröhnen, hätte ich wahrscheinlich noch lauter gebrüllt. Nicht nur, um meine Laune und meine Schmerzen zu überspielen.

Das leise Lachen des Weißgekleideten ist die einzige Antwort, die er für meinen kurzen Ausbruch übrig hat. Wahrscheinlich übt er gerade für den Friedensnobelpreis.

Autor

Daria Sarafin

Die Neuseeländerin Daria Sarafin stammt aus Wellington. Zurzeit lebt, liebt und arbeitet sie an der Ostsee. „Die Chronik der Engel“ ist ihr erstes Phantastik-Buch und Auftakt einer Engelsromanze über die älteste Liebesgeschichte der Welt.

 

Interessantes

Daria Sarafin schreibt unter ihrem echten Namen seit Jahrzehnten erfolgreiche Bücher – unter einem weiteren, geschlossenen Pseudonym sogar Chick-lit Bestseller, auch wenn sie die Bezeichnung Chick-lit ernsthaft doof findet. Ansonsten tummelt sie sich in den Genres Humor und hat sich auch an Standup Comedy für einige Fernsehformate versucht. Letzteres hat ihr weniger Spaß gebracht als das Bücherschreiben, so dass sie Comedy nur noch als Hobby betreibt.